Welche Maßnahmen schützen vor Dekubitus?

Dekubitus ist kein unabwendbares Schicksal! Seien Sie sich bewusst, dass Sie als pflegender Angehöriger eines Menschen, der in seiner Bewegung stark eingeschränkt ist, der Gefahr des Wundliegens begegnen werden. Ein Dekubitus entsteht meist nicht plötzlich. Wer die Risiken kennt, die Haut beobachtet und Druck frühzeitig reduziert, kann viel zur Vorbeugung beitragen. Die folgenden sechs Handlungsfelder sind bei der Dekubitusprophylaxe besonders wichtig.

Die 6 zentralen Handlungsfelder bei der Dekubitusvorbeugung:

1. Lernen durch Schulung und Anleitung

Als Angehöriger haben Sie einen gesetzlichen Anspruch auf kostenlose Schulungen zur Verbesserung der Pflege nach § 45 SGB XI. Informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, Wohlfahrtsverbänden oder den örtlichen Pflegestützpunkten, wer Schulungen für pflegende Angehörige in Ihrer Nähe anbietet. Sehr wichtig ist zum Beispiel das Schulungsthema „Lagerung und Mobilisation“. Hier lernen Sie, wie Sie Ihren Angehörigen richtig druckentlastend lagern, wie Sie ihm dabei helfen können, seine Bewegungsfähigkeit zu erhalten, und wie Sie ihn hautschonend im Bett bewegen oder in den Rollstuhl transferieren.

Die Pflegekräfte kommen zur Schulung auch zu Ihnen nach Hause und richten die Inhalte nach der individuellen Situation Ihres Angehörigen aus. Ein wichtiger Tipp: Wenn Sie Ihren Angehörigen aufgrund eigener körperlicher Einschränkungen nicht unterstützen können, holen Sie andere vertraute Personen zur Schulung hinzu. Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, eine gute Bewegungsförderung Ihres Angehörigen durch gleichfalls geschulte Verwandte, Freunde oder Nachbarn zu gestalten.

Pflegefachkraft zeigt einer Angehörigen, wie sie einen Mann im Bett schonend auf die Seite dreht

2. Tägliche Hautinspektion

Der täglichen Hautbeobachtung kommt eine besondere Bedeutung zu. Wie Sie dabei vorgehen und worauf Sie achten sollten, lesen Sie im Artikel Wie erkennen Sie einen Dekubitus frühzeitig?

3. Mobilisation und Bewegungsförderung

Bewegungsförderung ist der wichtigste Ansatz zur Vorbeugung eines Dekubitus. Bewegung verbessert die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems, fördert die Durchblutung des Gewebes und auch das Selbstwertgefühl des Menschen. Die richtige Bewegungsförderung hängt von der individuellen Krankheitssituation Ihres Angehörigen ab und muss sich an seinen noch vorhandenen Fähigkeiten orientieren.

Fragen Sie den behandelnden Arzt oder den Physiotherapeuten, welche Bewegungen förderlich sind, welche Ihr Angehöriger noch eigenständig durchführen kann und bei welchen Sie ihn unterstützen können. Wenn Sie sich über ein gutes Bewegungsprogramm für Ihren Angehörigen erkundigt haben, schreiben Sie es sich auf. Fragen Sie Ihren Angehörigen, wie er sich bei den Bewegungen fühlt und was er als angenehm empfindet. Schaffen Sie Anreize für Ihren Angehörigen. Bewegungsförderung beginnt bereits mit Übungen im Bett, um die Beweglichkeit der Gelenke zu erhalten und Kontrakturen vorzubeugen.

Besonders wichtig ist es, die Fähigkeit Ihres Angehörigen zu erhalten, eigenständig auch geringe Lageveränderungen im Bett vorzunehmen. Pflegebedürftige, die aus eigener Kraft ihre Position im Bett und vor allem auch im Stuhl verändern können, haben ein deutlich geringeres Risiko, einen Dekubitus zu bekommen. Muten Sie sich bei der Unterstützung Ihres Angehörigen nicht zu viel zu. Achten Sie insbesondere auf eine rückenschonende Arbeitsweise und nutzen Sie Mobilisations- und Transferhilfsmittel, die Sie und Ihren Angehörigen bei den Mobilitätsmaßnahmen stark entlasten können. Führen Sie ein Bewegungsbuch, in dem Sie alle durchgeführten Übungen, Lagerungs- und Transfermaßnahmen eintragen. Sie bekommen so ein Gefühl für eine geeignete, regelmäßige Aktivierung.

Älterer Mann sitzt im Rollstuhl neben dem Bett, eine Pflegefachkraft unterstützt ihn

4. Druckentlastung durch Lagerungsmaßnahmen

Wenn Ihr Angehöriger sich nur noch sehr eingeschränkt bewegen kann und keine selbstständigen Lageveränderungen mehr durchführt, müssen die dekubitusgefährdeten Körperstellen durch regelmäßige Lagerungsmaßnahmen entlastet werden. Machen Sie sich bewusst, dass ein Pflegedienst dies selbst bei vier täglichen Einsätzen nicht leisten kann.

Es ist daher zwingend erforderlich, dass Sie zusätzliche Lagerungsmaßnahmen selbst durchführen oder organisieren. Der Einsatz von Antidekubitus-Matratzen oder Antidekubitus-Sitzkissen, die den Auflagedruck auf die Haut reduzieren, kann die Lagerungsintervalle oft sehr gut verlängern, sie aber keinesfalls ersetzen.

Es gibt viele verschiedene Lagerungskonzepte. Einige davon sind sehr komplex und nur für die Anwendung durch professionelle Pflegekräfte vorgesehen. Wichtig ist es daher auch hier, zunächst Ihren Arzt und den Pflegedienst zu fragen, ob es bei der Lagerung Ihres Angehörigen krankheitsbedingte Einschränkungen gibt und welche Lagerungsmaßnahmen empfohlen werden.

Die für Ihren Angehörigen wirksamsten Lagerungstechniken erlernen Sie in den genannten Schulungen oder durch Ihren Pflegedienst. Für nahezu alle Lagerungstechniken sind Hilfsmittel wie spezielle Lagerungskissen sinnvoll. Normale Haushaltskissen sind oft zu groß oder zu weich, schränken die Bewegungsfähigkeit ein oder ermöglichen keine angenehme Liegeposition.

Stellen Sie mit dem Arzt, dem Pflegedienst oder dem Physiotherapeuten einen Lagerungsplan auf und zeichnen Sie auch hier die durchgeführten Lagerungsmaßnahmen auf. Besonders wichtig ist die Klärung von Lagerungsmaßnahmen in der Nacht. Hier gilt es, die Bedeutung eines ausreichenden, erholsamen Schlafes für Ihren Angehörigen und Sie selbst mit notwendigen Umlagerungen gemeinsam abzuwägen.

Pflegefachkraft hilft einem älteren Mann, sich an der Bettkante aufzusetzen

5. Bedarfsgerechte Hilfsmittelversorgung

Wenn Bewegung und Lagerungsmaßnahmen allein nicht ausreichen, können druckreduzierende Hilfsmittel erforderlich sein – zum Beispiel spezielle Matratzen, Sitzkissen oder Positionierungshilfen. Welches Hilfsmittel geeignet ist, hängt vom individuellen Risiko und der Versorgungssituation ab und sollte fachlich durch einen qualifizierten Hilfsmittel-Leistungserbringer wie Carenetic beurteilt werden.

Wichtig: Ein Hilfsmittel ersetzt nicht automatisch die Hautkontrolle, die Bewegung des Patienten und notwendige Positionswechsel.

Carenetic-Mitarbeiter erklärt einer Angehörigen die Antidekubitus-Matratze, im Bett liegt eine ältere Frau

6. Haut schützen und pflegen

Die Haut älterer, pflegebedürftiger Menschen kann wichtige Schutzfunktionen nicht mehr optimal ausüben. Trockene Haut, Rissbildungen und Juckreiz sind die Folgen. Treten in dieser Situation bei der Lagerung oder Mobilisation Reibungs- und Scherkräfte auf, kommt es sehr häufig zu Hautdefekten. Die richtige Hautpflege ist deshalb ein wichtiger Baustein der Vorbeugung.

Welche Pflegeprodukte geeignet sind und worauf Sie bei Reinigung und Pflege achten sollten, lesen Sie im Artikel Die passende Hautpflege als zusätzlicher Schutz.

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